Being Happy Average
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Vom Leben in einer kleinen Wohnung

Seit Monaten halten wir es schon nicht mehr aus in unserer Schuhschachtel von Wohnung, vertreiben uns die Zeit mit dem Durchstöbern von Wohnungsinseraten und klagen darüber, wie sehr wir doch unter unserem Platzmangel leiden.

Wenn wir Freunde besuchen, ist meist unser erstes anerkennendes Kommentar nicht ein Kompliment für die schöne Wohnung, die tolle Einrichtung oder coole Gegend – nein, es ist: „Wow, ihr habt so viel Platz, es passen sogar zwei Leute gleichzeitig ins Badezimmer!“. Ja, es braucht nicht viel um uns zu beeindrucken, aber wenn wir dann in unsere vier Wände zurückkehren, scheint es, als würden wir kaum mehr durch den engen Flur passen.

Es war mal unser wohliges Nest, jetzt ist es ein permanenter Stresstest.

Zwei Egos wie jenes von meinem Freund und mir auf 47 m² mal eine Wagenladung Chaospotenzial,  addiert mit der großen Unbekannten (woher kommt der Staub die ganze verdammte Zeit???), da kann man schon mal das Gefühl haben, die Decke falle einem auf den Kopf. Oder zumindest eines unseren vielen Kastl an der Wand.

Das ist leider gar nicht so unwahrscheinlich, schließlich haben wir so ziemlich jeden freien Platz unserer Wände mit Schränken vollgehängt, denn wo zwei Menschen über längere Zeit leben, häuft sich so allerlei Kraffel an. Eine Zeit lang gab es das beständige Streben nach Stauraum, doch irgendwann ist selbst das Kellerabteil voll (wir wollten es lange nicht wahrhaben). Es mag unheimlichere österreichische Keller geben, wir haben ihn nachdem wir seine Speicherkapazitäten wie eine CD-Rom ausgereizt hatten, trotzdem gemieden. Reine Vorsichtsmaßnahme.

Messi

 

Keine Minimalisten

Das Problem ist natürlich auch, dass mein Liebster und ich zum Horten neigen. Während ich alte Dinge aufbewahre, weil man sie vielleicht noch mal brauchen könnte (etwa unzählige halbleere Shampoofläschchen für den nächsten Urlaub,  oder alte aus dem Internet kopierte Mitschriften von Vorlesungen, deren Prüfung ich im Erstsemester bestimmt nie gemacht habe), liebt er es, Neues zu kaufen.

Onlineshopping sei Dank, verfügen wir über die Ausrüstung einer Profiküche, haben ein kleines Fitnesscenter inklusive Reformhaus daheim und können uns Eigentümer so fragwürdiger Produkte wie einer „Facial Sauna“ oder einem LIP Gerät nennen.

Dabei ist alles was wir wirklich brauchen, ein bisschen mehr Platz.

Aber Scheiden tut weh, und so kommt es, dass die teure aber trotzdem falsch gekaufte Druckerpatrone, Geschenke, die man nie leiden konnte (wohl aber den Schenker), DVDs von Lieblings-Filmen, die schon zum fünften Mal im Fernsehen liefen und peinliche T-Shirts (die aber eine Geschichte haben) nicht den Laufpass bekommen.

Da hilft nur: Flucht bzw. umziehen in eine größere Wohnung

Und da war sie nun: ein Schnäppchen, fast doppelt so groß wie unsere,  Altbau, erhaben, wie ein weites Weizenfeld im Sonnenuntergang. Wir vereinbarten eine Besichtigungstermin – schauen wird ja wohl noch erlaubt sein.

Dann in der inserierten Wohnung, überkam mich ein Gefühl wie im Burgenland – die Weite überforderte mich. Plötzlich sehnte ich mich in mein kleines, gemütliches Nest zurück.

Ich blickte auf die hallenartigen Räume mit ihren hohen Wänden und sah das Messi-Potenzial – wie viele Amazon-Ladungen, könnte man hier wohl unterbringen!?

Doch während ich in Gedanken anfing, die Wohnung mit einem zweiten Stock nur für Zeug und Plunder auszustatten, stiegen unangenehme Erinnerungen von mühsamen Umzügen hervor, all der Schweiß und die bitteren Tränen, und mir wurde klar: Auf keinen Fall werde ich irgendetwas, dass nicht absolut 100% mindestens wöchentlich in Gebrauch ist, mit umziehen.

Wir sind dann also nicht umgezogen. Aber wir misten aus, alles kommt auf den Flohmarkt, zur Caritas, auf willhaben.at oder in den Müll. Alles bis auf die Dinge, die man vielleicht noch einmal brauchen kann. Und jene, die ganz besonderen emotionalen Wert haben. Und alles, wofür wir doch viel zu viel Geld ausgegeben haben…

 

 

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