Beziehungen, Die Suche nach Erfüllung
Schreibe einen Kommentar

Babyneid

Uuuuuh, jetzt fangt es an. Überall ploppen die Babys raus, oder es beulen die Schwangerschaftsbäuchlein aus den Wintermänteln – auch in meinem Freundeskreis wird gebastelt und gebrütet.

Früher sprachen meine Freundinnen und ich über Verhütungsmethoden und beruhigten gegenseitig panische „Oh-Gott-ich-glaube-ich-bin-schwanger-mein-Leben-ist-vorbei“-Anfälle (die immer unbegründet waren), heute führen wir schon mal ausführliche Diskussionen über Babynamen und so manche jammert über ihre schlechte Haut, die nach Absetzen der Pille wie ein Zombie aus der Pubertät zurückgekehrt ist.

Aber nicht unter Pärchen wird der Druck von Enkel-gierigen Eltern erhöht, auch bei den Singles macht sich die Torschlusspanik breit. Auf einmal ist niemand mehr auf der Suche nach Spaß, so scheint es, alle wollen plötzlich die wahre Liebe. Man merkt: die biologische Uhr tickt.

Das war nicht mehr zu verleugnen als heuer zum Jahreswechsel, in der Euphorie des mitternächtlichen Raketenschauers und bei alkoholgetränkten Sentimentalitätsfaktor 100, eine aus unserer stark Pärchenlastigen Feier-Runde lauthals verkündete: „2015 wird das Babyjahr!!!“

Und zumindest insofern mag das stimmen, denn vor ein paar Tagen bin ich zum ersten Mal „Quasi-Tante“ (weil nicht mal angeheiratet, mon dieu) geworden. Es dauerte keine drei Sekunden: Als ich das kleine Würmchen in den Armen hielt, hatte ich mich schon verliebt und den Rest des zweitägigen Besuches damit verbracht jede Regung, meines vor allem mit schlafen beschäftigten Neffens genauestens zu beobachten, damit mir auch kein entzückendes Gähnen und hinreißendes Zucken mit den kleinen Händchen mit den Titzibitsy Fingernäglein entging.

Ich löste meinen entrückten Blick nur gelegentlich um meinem Freund, der aus sicherer Entfernung Gelassenheit markierte, einen erwartungsvollen „Na? Ist das nicht das Süßeste auf der ganzen, weiten Welt?“ -Blick  zu zuwerfen. Er reagiert nicht wie erhofft: Wenn Verunsicherung und Panik ein Gesicht hätten, so hätte es ausgesehen.

Innerhalb von wenigen Millisekunden teste ich also meine Optionen ab und es sah schlecht aus. Mein Auserwählter fühlte sich sichtlich wohler damit, die Katze anstatt den Familienzuwachs zu hoppern. Wie oft ich auch versuchte ihn umzustimmen („Willst nicht mal halten? Sooo liiiieb“), seine Begeisterung hielt sich in – für einen Onkel angebrachten – Grenzen.

Nur der Fakt, dass er also Tiere mag, bleibt mir noch als Beweis dafür, dass er kein Herz aus Stein hat, obwohl er bei so einem entzückenden Anblick nicht sofort Babys machen möchte.

Aber vielleicht war das obsessive Katzenstreicheln ja auch nur Taktik um mich, als alte Allergikerin, mit all den so gesammelten Katzenhaaren für die nächsten Tage fernzuhalten und zu hoffen, dass das Babyfieber bald wieder vergeht.

Vielleicht ist es ja nur Babyneid

Aber da muss er sich eh keine Sorgen machen. Spätestens als wir zurück kehrten, in das Chaos unserer Wohnung, wo noch das schmutzige Geschirr vom Wochenende steht, ich über einen Supernintendo und leere Bierflaschen stolpere, meine Pflanzen mich vorwurfsvoll anstarren, weil ich schon wieder vergessen habe, sie zu gießen, und mich die Frage „Was soll ich um alles in der Welt bloß essen?“ überfordert, kehrt auch der Realitätssinn wieder ein.

„Ich muss erst mal mein eigenes Leben auf die Reihe kriegen, bevor ich neues in die Welt setzte „, erklärt er mir entschuldigend. Da hat er ja Recht. So viele Baustellen (Studium, Job, Wohnung), so viele Pläne (irgendwann muss sich ja die Weltreise noch ausgehen) –  es wäre völlig verrückt jetzt ein Baby zu kriegen!

Ich hoffe nur der Zeitpunkt, wenn es dann endlich soweit ist, schreit laut „hier bin ich“, sonst könnte es sein, dass wir ihn vor lauter Baulärm noch überhören.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.