Challenge: Nicaragua
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Die Maisinseln – Nicaraguas behütete Karibik (oder: Reise, Reise Teil 3)

11. Februar 2014. Wir befinden uns in Bluefields, an der Atlantikküste, und haben einige Pangafahrten hinter uns. Zu unserem nächsten Ziel aber, werden wir fliegen und zwar mit einer Cessna, die nicht mehr als 15 Sitze hat. Na gut, einen Teil werden wir fliegen, dann steht uns wieder eine Pangafahrt bevor. Wir wollen nach Little Corn, eine der zwei karibischen Inseln, die zu Nicaragua gehören und im Vergleich zu anderen karibischen Urlaubszielen touristisch noch ein relativer Geheimtipp sind. Wobei zugegebenermaßen auf Little Corn die Anzahl von Amerikanern höher ist, als meine Toleranzgrenze für leeren Smalltalk wie ihn die Amis so lieben. Die Insel ist aber auch so klein, dass man sich schwerer aus den Weg gehen kann, aber dazu später.

Am Nachmittag checken wir also am niedlichen Flughafen von Bluefields ein, werden gemeinsam mit unserem Handgepäck auf die Waage gestellt, gehen durch die Attrappe einer Sicherheitsschleuse und werden daher danach noch mit einem Stab-Scanner überprüft. Wir dürfen alle Flüssigkeiten mitnehmen und was nicht ins Handgepäck soll, fliegt im Gepäcksraum mit. Nur Stefans der Standard Feuerzeug wird konfisziert, genau das darf aus irgendeinem Grund nicht mitkommen. Wahrscheinlich gefällt es den Beamten.

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Die Frau mit Torte hat uns besonders belustigt. Allerdings weiß ich mittlerweile, dass dies ein Tick der Nicas zu sein scheint, ihren „Queque“ auf Reisen mitzunehmen. Ob in der Panga, im Bus, oder eben im Flugzeug, der Kuchen vom Bäcker des Vertrauens muss mit.

Wir haben Glück mit dem Wetter: der 20-minütige Flug wird wie ein Sonntagsausflug mit dem Segelflieger (nicht das ich jemals schon mit einem geflogen wäre, aber zumindest so intim kommt es mir vor). Da merkt man noch die Faszination des Fliegens und sieht sich die Welt wie ein Vogel von oben an.

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K800_DSCN4019 credit: Petra Rosenblattl

K800_IMG_5097 Flug über die Pearlkeys K800_IMG_5102  Big Corn von oben K800_IMG_5101                                                         Einmal den Piloten über die Schulter schauen.

K800_IMG_5103                                                               Die Landebahn auf Big Corn …geht sich gerade aus.

Wir landen sanft auf der kurzen Bahn auf Big Corn Island, warten kurz auf unser Gepäck und müssen dann sofort weiter zum Hafen, um Tickets für die Panga nach Little Corn zu ergattern. Big Corn sehen wir uns erst bei unserer Rückreise an.

K800_IMG_5104    K800_IMG_5105  Unsere Panga                                         Der Hafen in Big Corn

Diese Bootsfahrt ist die ärgste. Wie eine Achterbahnfahrt fühlt es sich an, nur das diese eine halbe Stunde dauert und wir uns nicht in einem gesicherten Vergnügungspark sind, sondern am offenen Meer und die Wellen wild ums unser kleines, überladenes Boot schlagen. Während Stefan und Josef wie kleine Kinder fröhlich aufjauchzen wenn es uns in die Luft hebt und wieder hart auf dem Wasser aufsetzt, ist Petra und mir das ganze nicht Geheuer. Eine junge Mutter mit zwei kleinen Kindern, die auf Little Corn lebt, will uns beruhigen und versucht uns in ein ablenkendes Gespräch zu verwickeln, aber ihr Creole English ist unter diesen Bedingungen noch schwieriger zu verstehen. Ich bemühe mich kommunikativ zu sein und zu lächeln, aber da sie die Plastikplane über sich und uns hält, wird uns erst richtig schlecht. Petra muss sich fast übergeben und mir wird auch immer übler. Völlig mitgenommen kommen wir endlich auf der 500-Einwohner-Insel an. Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang.

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Jemand von unserer Unterkunft, holt uns ab und wir spazieren 15 Minuten bis wir bei unseren knallgelben Strandhäusern auf der windigen Seite der Insel ankommen. Zwei kleine Holzhütten der Residenz „Elsa’s Place“ gehören uns, eine für Mesfin und Martina und die andere für Josef, Petra, Stefan und mich.

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K800_DSCN4035 credit: Rosenfuchs

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K800_DSCN4070 credit: Josef Fuchs K800_DSCN4068 credit: Rosenfuchs

Mittlerweile ist es dunkel geworden. Wir duschen schnell und gehen dann in das feinste Restaurant der Insel: The Turned Turtle im Beach & Bungalow Resort, das wirklich ausgezeichnete Küche hat (und trotz des Namens keine Schildkröten serviert). Tipp: Unbedingt eine Margarita bestellen – groß, günstig und sehr, sehr gut!

K800_IMG_5111 Beim Ankunftsbier in Elsa’s Place K800_IMG_5113                                                          Wärmste Empfehlung: Ganz viel Fisch und Meeresfrüchte essen

12.2.

Am nächsten Tag spazieren wir zu einem kleinen Comedor zum Frühstücken: Gallo Pinto mit Eiern, frische Früchte und Kokosnussstücke, Granola-Müsli und French Toast und alles zu einem günstigen Preis.

K800_IMG_5121 Mikro-anthropologische Beobachtung: Während die Männchen passiv aggressiv reagieren, wenn man sie beim Essen fotografiert, kooperieren die Weibchen belustigt jedoch bereitwillig.

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Danach auf einen italienischen Espresso oder einen der vielen leckeren (und kaum gesüßten) Gesundheits-Säfte ins Cafe Desideri. Tipp: Die Brotfrucht-Chips sind genial!

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Den Rest des Tages geben wir uns dem Flow der Insel hin, der besagt: Just Relax!

Auf Little Corn gibt es keine Autos und auch sonst nicht viel. Waren müssen per Boot geliefert werden und sind daher auch entsprechend teurer. Auf den schmalen Wegen hat gerade mal ein Fahrrad platz, und „schlafende Polizisten“ (kleine Hügel) sorgen dafür, dass die Radler keine Fußgänger umrasen. Zu Fuß kann man die Insel in ein paar Stunden locker umrunden. Süßwasser auf der Insel ist kostbar und könnte wenn der Tourismus stärker wird, ein ernsthaftes logistisches Problem werden. Bisher haben vor allem Amerikaner Little Corn für sich entdeckt um hier ihren Traum vom Aussteigen zu leben (wenn auch manche nur für ein paar Monate).

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K800_DSCN4087 credit: Rosenfuchs                               Für ein paar Cordoba holen Männer mit ihren Macheten Kokosnüsse von den Palmen

K800_DSCN4082 credit: Rosenfuchs

K800_IMG_5179 Kein Tag in der Karibik ohne Coco Loco K800_IMG_5177

Was uns etwas aus dem „Flow“ brachte:

Am Abend entscheiden wir uns zu „Rosa’s“ Essen zu gehen, da es im Lonely Planet wärmstens empfohlen wurde. Allerdings wird der Abend zu einem Desaster. Eigentlich hätten wir das Unheil schon wittern sollen, als uns die Kellnerin verkündet, dass sie weder Bier noch sonst irgendeinen Alkohol haben. Aber der Abend war noch jung, und wir würden später sowieso genug Zeit haben um Bier zu trinken, also kein Problem. Leider wussten wir da noch nicht, dass unser Abendessen eine längere Angelegenheit wird. Josef, der nach einer Stunde als erste bekommt, registriert zwar, dass das nicht genau das ist was er bestellt hat, aber er hat Hunger und so sagt er nichts und isst. Als Josef fertig ist, bekommt Mesfin seinen Fisch. Nicht das was er erwartet hat, aber er isst brav zusammen. Dann bekommt Stefan sein essen, doch statt der Meeresfrüchtespaghetti hat er Meeresfrüchte mit Reis bekommen. Er macht die Kellnerin darauf aufmerksam, dass er Pasta bestellt hat und auch genau darauf Lust hat, worauf diese ihn genervt den Teller wegnimmt und sich eine Stunde lang nicht mehr blicken lässt. Weder Martina, Petra, noch ich, bekommen unser Essen. Endlich wird Stefan sein Teller vor die Nase gesetzt: Meeresfrüchte ohne jede Beilage. Die Kellnerin meint, in der Karte stehe das Gericht ohne Beilage, sie hätte ihm ja Reis dazu gegeben, aber wenn er nicht wolle… Wir lesen nach und natürlich ist es mit Pasta, aber Stefan ist brav seine Shrimps. Währenddessen kommt das Gericht, dass Josef eigentlich bestellt hat, wieder ein Missverständnis. Während Josef schon seinen zweiten Teller verspeist haben Martina, Petra und ich noch immer nichts bekommen.

Als Martina ihren Fisch bekommt, ist dieser zwar auch keineswegs das was sie bestellt hatte, aber sie hat aus Stefans Erfahrung gelernt. Irgendwann bekommt auch Petz ihr Essen und nach einer gefühlten Ewigkeit darf auch meinen Reis mit Gemüse essen. Abgesehen davon dass das Essen nicht gut ist, ist das ganze ein Witz und wir haben schlechte Laune.

Da endlich zeigt sich die Köchin und erklärt, dass heute kein guter Tag sei, sie sei völlig „descontrolada“ gewesen, wegen einer Gästin zuvor. Sie habe das Lokal gerade übernommen (Urlaubsvertretung?) und niemand vom Personal verstehe die englische Karte. Rosa, du bist von aller Schuld befreit (außer, dass du ruhig deiner Nachfolgerin das Menü hättest erklären können)! Beim nächsten Corn Island Besuch am Besten fragen, ob Rosa heute kocht.

Das die Abrechnung ebenso chaotisch und falsch läuft, wie unser Abendessen, war uns dann eigentlich auch schon egal, nur gut das die Blicke der Kellnerin nicht töten konnten. Zum Glück ist nach diesem Reinfall die nächste Bar nicht weit.

K800_IMG_5208                                                           Warten auf das Ungewisse (Wird mein Essen jemals kommen und wird es das sein, was ich bestellt habe?)

K800_IMG_5203  Happy Hour in der Tranquilo Bar

 

13.2.

Am zweiten Tag spazieren wir ein bisschen durch das bunte Dorf und den Dschungel auf der Insel.

K800_DSCN4061 K800_DSCN4055 K800_DSCN4053 credits: Rosenfuchs

K800_IMG_5263 Nach rechts gehts zu den Bars und Restaurants, nach links ins Dorf, wo die Einheimischen leben

K800_IMG_5217 K800_IMG_5232 K800_IMG_5230 K800_IMG_5229 Die Schule in Little Corn K800_IMG_5228 K800_IMG_5225 K800_IMG_5224 K800_IMG_5223 K800_IMG_5221 K800_IMG_5220

K800_IMG_5152 Mission completed: Zahnpasta gekauft.

14.2. Big Corn

Den letzten Vormittag auf Little Corn verbringen wir im schönen Beach & Bungalow Resort, dessen Strand man gratis nutzen kann, wenn man etwas konsumiert – was wir natürlich immer gerne tun.

K800_IMG_5254 Hängematten, Schatten unter Palmen, super Service (nicht selbstverständlich) und geniales Essen – was will man mehr?

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K800_IMG_5261 K800_IMG_5260 K800_IMG_5258 These pictures are not photoshoped!

Am Nachmittag müssen wir mit der Panga zurück, die diesmal wirklich gefährlich überfüllt ist. Einige müssen stehen, die „Glücklichen“, die einen Sitzplatz ergattert haben, dürfen sich eine Viererbank zu sechst teilen. Auf nur einer Arschbacke sitzend, bin ich sehr dankbar, dass die Rückfahrt richtig sanft und harmlos verläuft.

K800_IMG_5264 Ankunft in Big Corn

Auch „Big“ Corn ist ein überschaubares Inselchen, in dessen Zentrum die Flughafenlandebahn steht, die schon seit einigen Jahren verlängert werden soll, damit auch größere Flugzeuge landen können. Wir bewegen uns hier vor allem mit Taxis, die einen Einheitspreis von 20 Cordoba pro Person haben (umgerechnet 57 Cent). Die (durch die Bank sehr sympathischen) Taxifahrer beschweren sich, dass nichts weitergeht, aber angesichts des fragilen Ökosystems der Insel, frage ich mich, ob es nicht ein Segen ist, das die Mühlen hier noch langsamer mahlen als sonst wo auf der Welt. Dafür gibt es endlos lange, einsame weiße Strände und hin und wieder mal ein paar Urlauber. Außerdem gibt es einen kleinen Berg mit dem schönen Namen Mount Pleasant, den man zwischen Orangenbäumen, Bananen- und Papaya-Plantagen hinaufspazieren kann und eine tolle Aussicht über die Insel bekommt. Trotzdem wollen die meisten Touristen gleich weiter zur kleinen Schwester, wenn sie auf Big Corn gelandet sind. Little wird gerade sehr gehypet, aber Big Corn hat auch seinen Charme. Don’t skip it!

Wir übernachten im Sunrise Hotel – die bisher schönste und luxuriöste Unterkunft unserer Reise (es gibt sogar Warmwasser, was ich allerdings seit ich hier bin vielleicht dreimal vermisst habe). Aber das Beste am Sunrise ist die Rezeptionistin (und wahrscheinlich auch Besitzerin des Hotels): eine liebe, ältere Kreolin, die morgens gratis Kaffee und den besten Lebkuchen, den ich je gegessen habe, anbietet (mit frischen Ingwer und Kokosflocken). Am Abreisetag überlässt sie uns die Zimmer so lange, wie wir sie brauchen, damit wir uns noch einmal das Meerwasser abduschen können, vor dem Abflug. Außerdem hat sie mir ein Buch geschenkt, das ich von ihr ausgeborgt hatte, aber in den zwei Tagen, die wir da waren, nicht fertig lesen konnte. Als ich noch schnell ein spannendes Kapitel zu Ende lesen möchte, während wir auf das Taxi zum Flughafen warten, meint sie mit einem breiten, herzlichen Lächeln: „Take it with you!“. Einfach so. Schon allein deshalb muss ich wiederkommen, um ihr ein Buch für ihre Rezeption mitzubringen.

K800_IMG_5278 Das Sunrise Hotel

K800_IMG_5269 K800_IMG_5271 K800_IMG_5282 K800_IMG_5358 K800_IMG_5353 K800_IMG_5355

Einige Tipps für Big Corn:

In der Karibik wird viel mit Kokosöl gekocht, das nicht nur einen tollen Geschmack hat, sondern auch als Wundermittel gegen eh alles gehandelt wird. Gesund ist es auf jeden fall. Unbedingt eine Flasche davon als sinnvolles Souvenir mitnehmen!

Restaurants und Comedores:

Ganz ok: Abendessen in Spekito’s Place, direkt am Meer: Wieder ewig warten aufs Essen, aber als es da ist, schmeckt es wenigstens. Dazwischen kann man sich die Zeit damit vertreiben, die drei armen Haie zu beobachten und zu bemitleiden, die das Restaurant sich hält. (Besser: freilebende Haie bei einem Schnorcheltrip entdecken)

K800_IMG_5348 K800_IMG_5273 Ein Nurseshark

K800_IMG_5287 K800_IMG_5288       – Das beste an den Islas del Maíz sind die schönen Plätze zum Schnorcheln. Hier im Bild, ein Teil eines riesigen Schiffwracks. Leider nicht im Bild: viel bunte Fische und Korallen in allen Formen und Farben.

Gut: Essen in der sehr hübschen Hotelanlage Paraiso. Dort gibt es außerdem einen sprechenden Papageien, der in mehreren Sprachen „Hallo“ sowie „Burrito“ sagen kann und wie ein Bauarbeiter pfeift. Ich war sehr beeindruckt.

Am Besten: Languste Essen im kleinen Comedor „Relax“ – Languste essen sei generell empfohlen, die gibt es hier wie bei uns Schnecken und sind sogar günstiger als Garnelen.

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Bester Coco Loco der Welt: Am Strand „Long Bay“ in der einzigen Strandbar, die wir dort entdecken konnten.

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Ein paar Eindrücke von Big Corn:

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Das Öl-Schiff aus Venezuela

K800_IMG_5317 Mount Pleasant K800_IMG_5342 K800_IMG_5344 K800_IMG_5345 K800_IMG_5347 K800_IMG_5366

K800_IMG_5369 Das Flughafen Café K800_IMG_5373

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