Body Image, Die Suche nach Erfüllung
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Wenn die schönste Nachricht ins tägliche Kopfchaos crasht

Ich unterbreche die Transsib-Reisebericht Serie – und die zugegeben wieder einmal längere Blog-Pause – für Breaking News: Ich bin schwanger. Das Wunschkind ist sozusagen work in progress! Die Fragen, wann es denn endlich auch bei uns soweit ist, können jetzt aufhören. Überhaupt wäre es schön, wenn die permanente Fragerei nach Vermehrungsplänen ganz generell auf eine allgemeine Tabuliste gesetzt werden würde, denn sie spricht öfter einen wunden Punkt an, als die Neugierigen vielleicht vermuten oder nervt zumindest gewaltig.

Jedenfalls, hab ich mich entschlossen über das zu schreiben bzw. vielmehr das zu veröffentlichen, was gerade in mir vorgeht, denn üblicherweise tendiere ich ja dazu, das Bloggen bei größeren Lebensumbrüchen entweder anzufangen oder aufzuhören. Damit das Blogprojekt also nicht gleich wieder stirbt, versuche ich also weniger zu filtern. Man wird sehen, wo das hinführt…

Nachrichten überbringen sollte irgendwo gelernt werden

Sorry an alle, die es möglicherweise erst jetzt über meinen Blog erfahren sollten. Ich bin sehr schlecht in Allem, wo zeremonielles und würdevolles Vorgehen angemessen wäre.

Meinem Vater habe ich es ausversehen in einem Nebensatz am Telefon verraten, weil ich eine Frage zum Mutterschutz hatte. Also nichts mit kreativer Frohe-Botschafts-Überbringung mit Zuhilfenahme von Torten oder T-Shirts oder anderen niedlichen Wegen, wie Leute in Filmen oder auf Pinterest so eine gute Nachricht verkünden.

Bei einer Freundin dachte ich sogar, dass ich es ihr schon gesagt hätte und habe dadurch für etwas Verwirrung gesorgt, aber man lernt ja auch nicht, wie sich die Überbringung von Nachrichten richtig gehört. Reicht eine Whats-App Nachricht oder muss es eine kleine Theateraufführung sein?

Das gute Zeichen

Eine Schwangerschaft ist ja auch eigentlich jetzt nicht so etwas Besonderes in meinem Alter, aber trotzdem ist es sehr faszinierend und schön zu sehen, wie viel Freude man den Menschen machen kann, wenn man ihnen erzählt, dass man ein Kind erwartet. Irgendwie muss es in unseren Genen festgeschrieben sein, dass die Geburt eines Kindes ein gutes Zeichen ist.

Nur im noch kinderlosen Freundeskreis sind die Reaktionen öfter etwas verhaltener. Weil es eben auch ein Verlust ist, wenn zwei Freunde bald nicht mehr für jeden Spaß verfügbar sind. Aber dazu im nächsten Blogpost mehr.

Am schönsten ist die Freude, die mein Partner und ich damit haben. Es ist ein sehr eigenes, neues Gefühl. Plötzlich weiß man, dass da noch jemand kommt, dass man jetzt zu dritt ist irgendwie, aber so ganz verstehen tut man es nicht. Es ist etwas, dass man zu zweit gezeugt hat und doch hat man keinen Einfluss darauf, wie es dann tatsächlich wird. Einerseits ist es schon da, aber selten muss man auf irgendwas so lange warten, bis man es tatsächlich hat. Die Spannung ist schwer zu ertragen, gleichzeitig kommt einen vor, die Zeit vergeht zu schnell und man ist nicht mal annähernd irgendwie vorbereitet. Eine seltsame Freude.

Schwangerschats Reality Check

Ich wusste relativ früh, dass ich irgendwann ein Kind haben und schwanger sein möchte. Schon allein der Erfahrungen wegen. Und ja, es ist spannend, zu beobachten, was die Hormone im Körper so alles mit dir anstellen. Zum Beispiel, wenn du über bestimmte Themen nicht mehr reden kannst, ohne in Tränen auszubrechen, während, dir gleichzeitig bewusst ist, wie bescheuert das gerade ist.

Aber so wunderbar wie viele behaupten, finde ich die Schwangerschaft an sich bisher ehrlich gesagt nicht. Bis auf die kurzen Momente, wo ich mein Baby im Ultraschall sehen kann oder wenn ich das unangenehme Gefühl habe, meine Brüste würden explodieren, fällt es mir häufig noch schwer mir vorzustellen, dass da jemand in mir wächst.

Obwohl ich mich auf das Kind so sehr freue, wie auf noch nie irgendetwas anderes, bin ich häufig frustriert und matt. Von der angeblichen Besserung der Schwangerschaftsbeschwerden, die sich ab den 3. Monat einstellen sollte, bemerke ich wenig. Auch im 5. bin ich noch ständig erschöpft und kann mich meistens nicht einmal für sanftes Entspannungs-Yoga aufraffen. Ich kann fast nicht glauben, dass es wirklich nur ein Kind ist, dass mir hier die Energie aussaugt.

Mit meinen Vorsätzen, mich supergesund zu ernähren und brav Fitness zu machen, war es so ziemlich gleich mit Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter vorbei. Tatsächlich esse ich seither ungesünder als vorher – die Gelüste sind real – und nicht für zwei sondern für drei. Denn während ich zwar glücklicherweise von der fiesen Schwangerschaftsübelkeit verschont geblieben bin, habe ich konstant Hunger.

Ich will mich nicht beschweren, aber es wäre vielleicht gut, wenn nicht überall verkündet werden würde, dass das zweite Trimester der Schwangerschaft so toll wird.

Ich war auch immer überzeugt, ich würde die Veränderungen meines schwangeren Körpers zelebrieren. Aber stattdessen vergleiche ich mich mit anderen Schwangeren, die überhaupt nirgends außer am Bauch zunehmen und stellte mit neuem Aufmerksamkeitsfokus fest, dass natürlich auch bei schwangeren Models, jede den gleichen Körperbau hat: dünn, groß, strahlend, mit beeindruckender, runder Babybauchkugel. Ich hingegen könnte genauso gut einfach die letzten Wochen zu viel Bier getrunken haben.

Ich wünschte wirklich, mir wäre es egal, wie viel ich in der Schwangerschaft zunehme. Schließlich verbringt mein Körper gerade Höchstleistungen. Ich wünschte ich könnte stolzer auf ihn sein. Ich wünschte ich wäre Feministin genug, um meinen Körper zu lieben, egal ob er leistet, performt und wie er aussieht. Aber es war wohl naiv anzunehmen, dass eine gestörte Idealvorstellung wie Frauen angeblich auszusehen hätten, sich mit der Schwangerschaft in Luft auflöst. Dem zukünftigen Kind zuliebe arbeite ich daran.

„Das hört jetzt nie mehr auf“

Seit ich schwanger bin, mache ich mir auch ständig tausend Sorgen. „Das hört jetzt nie mehr auf“, hat meine Mutter beruhigenderweise gesagt. Und dann die Fragen, ob wir gute Eltern sein werden. Meine Einstellung schwankt zwischen überhöhtem Selbstvertrauen bis hin zur Panik. Vor allem da mich Kinder- und Babygeschrei noch mehr nerven als früher. Das ist wirklich beunruhigend, aber ich hoffe, das geht mit dem eigenen Kind weg.

Die ständigen Aussagen von Eltern im Freundeskreis, wie „Was ich will, spielt sowieso schon lange keine Rolle mehr“, „Unser Plan für den Tag ist einfach, ihn irgendwie zu überstehen“ oder „Das Kind scheißt so viel, uns sind die Windeln ausgegangen“ machen mich jetzt nicht gerade optimistischer.

Ein Kind ist kein Zukunftsplan

Tja und dann waren da noch all die Zukunftsängste. Wie lange können wir in unserer geliebten Miniwohnung bleiben mit Kind? Wohin mit Wickeltisch, Kinderbett und der ganzen Wäsche? Habe ich jetzt die Chance mich selbst zu verwirklichen für immer vertan? Wie geht sich eine größere Wohnung finanziell aus? Denn arbeitslos war ich ja bis vor kurzem auch noch.

In der ersten Panik habe ich mich gleich für einen typischen Studierendenjob beworben und kann nach einem Monat auf „Tour“ in den Käffern Nieder- und Oberösterreichs in denen ich nur sagen: Es gibt eine Zeit für solche Jobs und es ist gut, wenn man diese Phase mit Ende des Studiums abschließt.

Und noch mehr Neuigkeiten

Aber könnt ihr es glauben? Ich habe tatsächlich noch einen Stelle gefunden, wo man sich auch über meine relativ kurze Einsatzzeit von vier Monaten freut, bevor es dann wieder in den Mutterschutz geht. Der Job könnte zwar inhaltlich nicht weiter von dem entfernt sein, was ich bisher gemacht habe. Aber da ich es in der kurzen Zeit der Arbeitslosigkeit nicht geschafft habe, herauszufinden, was ich eigentlich machen will und was ich wirklich kann, kann etwas Neues lernen ja nicht schaden.

Trotz der Erleichterung, dass ich keine arbeitslose Mama mit Notstandshilfe sein werde, hat mir der Gedanke wieder in einem Büro zu arbeiten, die Wochen davor schlaflose Nächte und viel schlechte Laune bereitet.

Der Gedanke, dass ich den Job für das Kind mache, hat mir geholfen meine (unbegründeten) Vorbehalte zu überwinden. Jetzt gehe ich sogar positiv in die Arbeit, lerne jeden Tag etwas Neues und fühle mich gleichzeitig nützlich. Das ist schon mal nicht das Schlechteste beim Arbeiten. Und mit jedem Tag, der sich der Babybauch mehr von einer Bierwampe unterscheidet, gefalle ich mir langsam auch wieder besser. Vielleicht werde ich ja doch noch die Schwangere, die ich sein wollte.

Aber sollte das der letzte Blogartikel für eine sehr, sehr lange Zeit sein, wisst ihr warum.

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