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Mutter werden – Die Geburt

Regenbogenbabybauch

Auf einmal ging alles sehr schnell. Da wartet man neun Monate auf den großen Moment, bereitet sich akribisch vor und plötzlich ist man Eltern und stellt fest, dass man keine Ahnung hat, wie es jetzt eigentlich weitergeht! Vor wenigen Stunden waren wir noch zu zweit und dann liegt da ein neuer Mensch zwischen uns. So winzig klein, dass wir uns gar nicht richtig trauen ihn aufzuheben. Sowas realisiert man nicht so schnell.

Nur kein „guter“ Tag…

Fest davon überzeugt, dass mein Baby nicht vor dem errechneten Termin kommen würde (schließlich sind beide Eltern notorisch unpünktlich), hatte ich die Wehen, die ich den ganzen Tag schon spürte, schlicht verleugnet. „Heute ist kein guter Tag“, sagte ich, als ich nach der Akupunktur (zur Geburtserleichterung) schwer atmend für 15 Minuten gekrümt an einer Mauer lehnte und die anderen Schwangeren mir schon bange Blicke zuwarfen. „Heute ist kein guter Tag“, dachte ich, als ich mich zu einem verabredeten Mittagessen in Zeitlupen-Tempo mühte. „Heute ist echt kein guter Tag“, jammerte ich, als ich abends am Sofa lag und eine Guilty Pleasure Serie binge-watchte.

Als dann um 1 Uhr früh die Fruchtblase platzte war ich daher vor allem überrascht, aber auch recht entspannt. Mein Freund hingegen war gerade erst vom Fortgehen zurückgekommen und wohl schlagartig nüchtern. Das hoffe ich zumindest, denn ich wollte nicht mit der Rettung, sondern mit dem Auto ins Spital fahren.

Geburt geht anders als im Film

In der Realität läuft eine Geburt komplett anders ab, als es die meist dramatischen Szenen suggerieren , die sich jedesmal im Fernsehen abspielen, wenn eine Geburt beginnt (die Serie Workin‘ Moms, Staffel 2, zeigt da eine glorreiche Ausnahme). Ich finde deshalb die Berichte zur Geburt, von den wenigen Frauen, die sie teilen, immer enorm spannend und schließe mich da gerne an.

Positiver Schwangerschaftstest

So beginnt’s

Blasensprung – kein Grund zur Panik

Im Hypnobirthing Geburtsvorbereitungskurs haben wir gelernt, dass ein Blasensprung kein Grund ist liegend mit der Rettung transportiert zu werden, auch wenn das in Österreich so vorgeschrieben ist. Solange das Fruchtwasser klar aussieht und nicht komisch riecht, ist alles ok. Also fuhren wir – ich auf einem Handtuch sitzend und immer noch auslaufend – eigenständig zum St. Josef Spital, fanden einen praktischen Parkplatz vor dem Eingang und spazierten in die, bis auf den Portier, scheinbar menschenleere Klinik.

Vor dem Eingang der versperrten Geburtenstation läuteten wir an, wo uns die junge, gut gelaunte Hebamme, die uns dann auch durch die Geburt begleitete, freundlich empfing. „Schau ma mal, wie es dem Baby geht“.

Ultraschallbild

Wir wollten nicht wissen, welches Geschlecht unser Kind hat – Da hieß es aufpassen beim Ultraschall

„Da hat sich doch schon einiges getan“

Als ich auf einem Krankenhausbett lag und die Herztöne des Babys gemessen wurden, war ich noch immer in der Annahme, man würde uns wieder heimschicken, schließlich waren ja noch keine wirklichen Wehen da. Doch tatsächlich hatte sich der Muttermund bereits geöffnet, wie die Hebamme erfreut feststellte. Wir sollten also bleiben und vorerst im Geburtszimmer so gut es geht zwischen den Wehen ausruhen, denn selbst die Hebamme rechnete nicht damit, dass das Kind noch in ihrer Nachtschicht kommen würde.

„Wenn es los geht, merkt man es“

Wir hatten uns gerade hingelegt, da setzten plötzlich Wehen ein, die nun nicht mehr zu ignorieren waren. Im Bett hielt mich jetzt nichts mehr. Liegend gebähren, wie man es meistens sieht, war definitiv keine Option für mich. Das St. Josef Spital ist auch darauf ausgerichtet, dass die Gebärenden unterschiedlichste Hilfsmittel und Positionen ausprobieren können, die ihnen die Geburt erleichtern sollen.

Brüllend, beißend, stark wie eine Löwin

Das Geburtenzimmer war angenehmerweise auch nicht klinisch grell beleuchtet, sondern fast dunkel wie in einer Höhle. Vielleicht hatte ich deswegen auch das Gefühl, mich in ein wildes Tier verwandelt zu haben. Ich habe meine Geburt am Boden hockend auf Stefans Oberschenkeln aufgestützt durchgestanden – ein Kraftakt, wie meine zitternden Beine und Stefans blaue Oberschenkel zeigten, nachdem alles überstanden war. 

Babybauch im 8. Monat

Guter Support ist elementar

Die Abstände der Wehen wurden relativ schnell immer kürzer bis kaum mehr Pausen wahrnehmbar waren und viereinhalb Stunden nach Blasensprung hatten Stefan und ich in Teamarbeit unseren Sohn geboren. Ein unglaubliches Gefühl!

Die Hebamme hielt sich während der Geburt – bis auf die letzten Zentimeter, um das Baby aufzufangen – völlig im Hintergrund. Sie sagte in den richtigen Momenten aufmunternde Worte und gab uns ein sicheres Gefühl. Sie war ein bisschen wie ein Cheerleader, die mich anfeuerte, während Stefan damit beschäftigt war, meine plötzlich animalischen Kräfte mit seinem Körper abzufangen. Eigentlich kann ich gar nicht genau sagen, was er gemacht hat, hauptsächlich mich gehalten bzw. mir notwendigen Widerstand geleistet, aber das hat er sehr gut gemacht.

Eine perfekte, extrem schmerzhafte Geburt

Die Geburt war trotzdem die heftigste Erfahrung meines bisherigen Lebens, da gibt es kein Schönreden: Ich bin noch immer geschockt, wie schmerzhaft etwas eigentlich sein kann. Zwischendurch dachte ich, ich überlebe das nicht. Aber im Grunde lief alles so, wie ich es mir gewünscht hatte: Spontan, ohne Schmerzmittel, ohne Komplikationen und das wichtigste: unser Kind ist gesund.

Baby ist da

Und jetzt ist er da: Alfred Koloman – der schönste Mann von Wien

Wundermethode Hypnobirthing?

Die Vorbereitungen, die ich während der Schwangerschaft getroffen hatte, scheinen sich also ausgezahlt zu haben. Ich gebe jedoch zu, während der Geburt überkamen mich Zweifel. Vonwegen Gebären ohne Schmerzen! „Dieses scheiß Hypnobirthing funktioniert überhaupt nicht„, brüllte ich, nachdem „bewusstes Atmen“ irgendwann einfach keine Option mehr war.

Und ich hätte dann auch gerne doch Schmerzmittel genommen, aber da war es schon zu spät, das Baby wollte einfach keine Zeit verlieren. Ungeduldig wie die Mama…

Nach der Geburt versicherte mir die Hebamme, dass das Hypnobirthing ganz bestimmt gewirkt habe, weil wir so cool geblieben waren, und, obwohl es das erste Kind war, alles so glatt und vor allem schnell verlaufen war.

Empfehlungen und ein weiser Ratschlag

Rückblickend kann ich jedenfalls den Hypnobirthing Kurs, als auch die anderen Maßnahmen (Akupunktur, Kundalini Schwangeren-Yoga etc.) sehr empfehlen. Ich konnte ohne Angst und Verletzungen die Geburt überstehen.

Besonders das Coaching der sogenannten GeburtsbegleiterInnen (PartnerInnen), das in jedem guten Geburtsvorbereitungskurs vorkommen sollte, macht wirklich Sinn. Natürlich hätte ich es wohl auch ohne Stefan geschafft, aber so war es eine extrem intime Erfahrung, die uns noch mehr zusammengeschweißt hat.       

Jogginghose einpacken!

Das einzige was wir wohl anders machen würden, wäre, auch für Stefan eine bequeme Jogging-Hose in die bereits Wochen vorher vorbereitete Kliniktasche einzupacken. Eine Geburt kann schließlich auch für die Geburtsbegleiter eine sehr anstrengende Angelegenheit werden und da sind Jeans extrem unbequem. Packt den Jogger also gleich ein, liebe werdende Eltern!

Fazit

Eine Geburt zu erleben war irgendwie immer auf meiner nicht verschriftlichten Bucket List. Jetzt hab ich es hinter mir und kann sagen, es war eine intensive, regelrecht animalische Erfahrung mit dem schönsten, vorstellbaren Resultat. Dennoch möchte ich das nicht wiederholen. 

Respekt an alle Frauen, die nachher ernsthaft weitere Kinder in Betracht ziehen (ich glaub euch das einfach nicht, dass man diese Schmerzen vergißt – ihr seid einfach badass!!!). Aber ich war noch nie stolzer auf mich und meinen Körper, als in diesen Momenten nach der Geburt. Und auch wenn ich jetzt noch daran zurückdenke, klopfe ich mir in Gedanken anerkennend auf die Schulter.

Superhelden, Transformers, X-Men und so weiter, sind halt nur Fantasiegespinste – aber Frauenkörper können so etwas Unglaubliches einfach im wirklichen Leben. Und die Realität einer Geburt ist auch ohne Sirenengeheul und inszenierten Drama spannender, als es im Fernsehen je gezeigt wurde.  

 

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